Obwohl virtuelle Meetings mittlerweile zum Arbeitsalltag vieler Menschen weltweit gehoeren, ist ihre raeumliche, relationale und interkorporale Dimension bislang wenig erforscht. Haeufig wird von physischer auf relationale Distanz und von medialer Vermittlung auf Depersonalisierung und Entkoerperlichung geschlossen. Diese Studie bietet eine andere Perspektive auf virtuelle institutionelle Interaktionen: Am Beispiel sogenannter Noticing-Sequenzen zeigt sie, wie in virtuellen Meetings Beziehungen, Interkorporalitaet und ein gemeinsamer Raum konstituiert werden. Mittels multimodaler Konversationsanalyse wird im Detail rekonstruiert, wie, wann und von wem Noticings kopraesenter Phaenomene - etwa Kinder, Haustiere oder Moebel - realisiert und im weiteren Sequenzverlauf bearbeitet werden. Dabei zeigen die Teilnehmenden (Nicht-)Wissen an, handeln deontische und epistemische Rechte aus und bewegen sich zwischen Institutionalitaet und Informalitaet sowie zwischen Ko-Praesenz und Virtualitaet. Die Studie leistet einen Beitrag zum Verstaendnis virtueller Interaktionen anhand des kontextspezifischen Noticing-Formats und verbindet linguistische sowie soziologische Methoden mit sozial- und medienpsychologischen Ansaetzen.